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Das Bildungswerk nimmt den Seminarbetrieb ab dem 29.06.2020 in eingeschränkter Form wieder auf! Neben ausgewählten Präsenz-Veranstaltungen bieten wir weiterhin online-Seminare an!

Teilhabe

Traumasensible Arbeit

28005

Psychische Erkrankung und Traumatisierung

Nach heutigem Forschungsstand wissen wir, dass neben genetischen und biologischen Faktoren auch soziale, oder besser emotionale Faktoren eine wesentliche Ursache für die Entstehung von psychischen Erkrankungen sind. Gut erforschte Risikofaktoren für die Ausbildung einer affektiven Störung oder einer Persönlichkeitsstörung sind z.B. unsichere und ambivalente Bindungserfahrungen, dadurch bedingte emotionale Instabilität und frühe Gewalterfahrungen, d.h. schwere Traumatisierungen.

Daraus ergeben sich nicht nur Konsequenzen für eine differenzierte Diagnostik und adäquate Traumatherapie. Es unterstreicht auch die Wichtigkeit einer traumasensiblen Haltung all jener, die in der Sozialpsychiatrie tätig sind und in ihrem Berufsalltag Menschen mit psychischen Erkrankungen beraten, begleiten und behandeln.

Ziel des Seminars ist die Vermittlung von einem psychotraumatologischen Basiswissen, um die psychischen Erkrankungen im Kontext von Traumatisierung besser zu verstehen und eine traumasensible Haltung in Konsequenz daraus zu entwickeln. Übungen und Kleingruppenarbeit verdeutlichen deren praktische Anwendbarkeit im sozialpsychiatrischen Arbeitsalltag.

Wir starten mit theoretischen Grundlagen wie:

  • Begriffsklärung / Abgrenzung zu krisenhaften Lebensereignissen
  • Formen von Traumata
  • Traumafolgestörungen
  • Symptomatik (Kinder/Erwachsene)
  • Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungsfähigkeit

Dabei wird der direkte und indirekte Zusammenhang zu Trauma bzw. frühkindlicher Traumatisierung verdeutlicht, wozu auch negative Bindungserfahrungen gehören.

Um dem Zusammenwirken von neurophysiologischen Abläufen bei Traumatisierung und Folgestörungen der Betroffenen traumabedingt besser verstehen zu können, beschäftigen wir uns mit Stressregulation und Notfallreaktion nach dem Modell von Lydia Hantke und Hans-J. Görges (Institut Berlin).

Nachdem wir uns am 1. Tag das psychotraumatologische Grundwissen erarbeitet haben, wenden wir uns am 2. Tag ganz praktisch der traumasensiblen Arbeit zu. Hierzu gehören ressourcenorientierte und stabilisierende Methoden und deren Anwendung:

  • Traumasensible Gesprächsführung
  • Achtsamkeitsübungen
  • Reorientierungs- und Distanzierungstechniken
  • Stabilisierende und Ressourcenorientierte Methoden

Da eine traumasensible Haltung in hohem Maße Beziehungsarbeit (Vermittlung von Sicherheit, Orientierung und Wertschätzung) und Traumakompetenz (Wissen und Förderung von Selbstwirksamkeit) erfordert, gilt dabei ein Augenmerk auch immer der entlastenden Wirkung für die in der Sozialpsychiatrie Tätigen (Stichwort: Selbstfürsorge versus sekundäre Traumatisierung bei den Mitarbeitenden).